Stellungspflichtige Männer immer schwerer
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von AgenturenTanner will Stellung weiterentwickeln
Bild: APA/APA/HANS KLAUS TECHT/HANS KLAUS TECHT
Die stellungspflichtigen jungen Männer in Österreich sind im Langzeitvergleich etwas größer, aber deutlich schwerer geworden. Bei den Geburtsjahrgängen von 1972 bis 2006 stieg die Körpergröße im Schnitt von 177 auf 179 Zentimeter, das Körpergewicht dagegen von 71 auf 77 Kilogramm. Der Anteil an Personen über 90 Kilogramm verdreifachte sich auf 18 Prozent, zeigen Daten des Verteidigungsministeriums. Die Zahl der Übergewichtigen blieb im Zehnjahresvergleich aber etwa konstant.
Ebenfalls in etwa stabil ist die Zahl der als tauglich eingestuften jungen Männer. Sie schwankt seit 2015 um die 65-Prozent-Marke (2021 wurde als zusätzliche Kategorie teiltauglich eingeführt, allerdings mit geringen Fallzahlen). Die Zahl der Stellungen ist im Zehnjahresvergleich zurückgegangen, lag zuletzt (ausgenommen der Schwankungen der Corona-Jahre) mit rund 47.000 aber in etwa wieder im Bereich der späten 2010-er Jahre.
Der Plattfuß ist die häufigste Diagnose
Neuer Spitzenreiter bei den bei der Stellung am häufigsten diagnostizierten Erkrankungen ist der Plattfuß - mit knapp 8.100 Diagnosen im Jahr 2025 hat er die lange voran liegende Kurzsichtigkeit (7.800) überholt. Es folgen Allergien (5.700) und Übergewicht (4.700). Anders als vermutet hat die Diagnose Übergewicht in den vergangenen zehn Jahren aber nicht konstant zugenommen - nach den Corona-Jahren gab es zwar tatsächlich einen Anstieg. Zuletzt waren die Übergewichts-Diagnosen aber wieder eher rückläufig und liegen in etwa auf dem Niveau von 2015 (bei allerdings weniger Stellungspflichtigen). Zugenommen haben auch die diagnostizierten psychischen Erkrankungen.
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) will die Stellung attraktiver und effizienter machen. "Die Stellungsstraße ist für viele junge Menschen der erste unmittelbare Kontakt mit dem Bundesheer", sagte sie bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. "Sie ist der erste Eindruck, wie das Heer wahrgenommen wird - ist es eine moderne Einrichtung oder eine, die nicht mehr in unsere Zeit passt?"
Stellungsstraße soll weiterentwickelt werden
Man werde daher eine Studie zur Weiterentwicklung der Stellungsstraße in Auftrag geben. Diese soll zwei Dinge untersuchen: "Was braucht es, damit Stellungsstraßen zu Gesundheitsstraßen umgebaut werden?", so Tanner. Zweitens soll geklärt werden, wie man organisatorisch die Basis schaffen kann, dass Frauen diese Gesundheitsstraßen freiwillig in Anspruch nehmen.
Künftig soll außerdem ein digitales "Talentetool" den Stellungspflichtigen schon im Vorfeld zur Verfügung stehen, um deren individuellen Interessen und Stärken zu identifizieren - also ob diese etwa in Richtung Sanitätsdienst oder Infanterie (etwa Jäger oder sportlich Begeisterte) gehen werden. Die Ergebnisse würden dann gemeinsam mit Wehrdienstberatern bei der Stellung besprochen. Das Tool soll im Juni in Kärnten getestet und die Ergebnisse im Juli präsentiert werden.
Brigadier Andreas Kaltenbacher, stellvertretender Leiter des militärischen Gesundheitswesens, sah im medizinischen Kernbereich vor allem drei Kernaspekte der Stellung: Einerseits diene sie der Public Health Surveillance - anhand der jährlichen Untersuchung eines rund 50.000 Personen umfassenden Altersjahrgangs habe man Daten zu deren Diagnosen sowie etwaiger Veränderungen. Auf der persönlichen Ebene könnten individuelle Zufallsfunde bei Blut- oder Röntgenuntersuchungen potenziell lebensrettend sein. Und schließlich könne man etwaige Schäden oder Folgeschäden im Rahmen der Ableistung des Wehrdienstes hintanhalten.






