Netanyahu kündigt direkte Verhandlungen mit dem Libanon an

Veröffentlicht:

von Agenturen

Israels Premier Netanyahu will offenbar mit Libanon verhandeln

Bild: APA/APA/AFP (Archiv)/RONEN ZVULUN


- Anzeige -
- Anzeige -

Israel plant offenbar direkte Verhandlungen über friedliche Beziehungen mit dem verfeindeten Libanon aufzunehmen. Nach wiederholten Bitten des Nachbarlandes habe Israels Premier Benjamin Netanyahu am Mittwoch das Kabinett angewiesen, die Gespräche "so bald wie möglich" zu beginnen, teilte dessen Büro am Donnerstagabend mit. Im Fokus der Verhandlungen sollen die Entwaffnung der Hisbollah und die Aufnahme friedlicher Beziehungen zwischen beiden Ländern sein.

Israel und der Libanon wollen einem Medienbericht zufolge bereits kommende Woche direkte Verhandlungen aufnehmen. Das erste Treffen solle im US-Außenministerium in Washington stattfinden, schreibt ein Reporter des Nachrichtenportals Axios auf dem Kurznachrichtendienst X.

Der libanesische Präsident Joseph Aoun erklärte lediglich, er arbeite an einer diplomatischen Lösung des Konflikts mit Israel. Ein ranghoher libanesischer Regierungsvertreter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, sein Land dringe auf eine befristete Waffenruhe, um Gespräche mit Israel zu ermöglichen. Dabei seien die USA als Vermittler unerlässlich.

Angriffe mit Hunderten Toten - USA pfeifen Israel zurück

Israel hatte trotz der Feuerpause im Iran-Krieg am Mittwoch eigenen Angaben zufolge zahlreiche Hisbollah-Ziele im Libanon bombardiert, darunter auch in der Hauptstadt Beirut. Die Zahl der Toten ist nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums auf 303 gestiegen. Die Bilanz sei noch nicht endgültig und dürfte weiter steigen, da Rettungsteams noch immer Leichen aus den Trümmern bergen, teilt die Behörde mit. Seit dem 2. März seien damit insgesamt 1.888 Menschen getötet und mehr als 6.000 verletzt worden. Der Libanon hat am Donnerstag einen nationalen Trauertag abgehalten.

Der US-Sender NBC News berichtete unter Berufung auf einen hochrangigen Vertreter der US-Regierung, dass Präsident Donald Trump Netanyahu am Mittwoch in einem Telefonat dazu aufgefordert habe, die israelischen Angriffe im Libanon herunterzufahren. Das Portal "Axios" berichtete unter Berufung auf US-Beamte, der US-Sondergesandte Steve Witkoff habe in einem Gespräch mit Israels Regierungschef eine ähnliche Bitte ausgesprochen.

Netanyahu: Israel wird weiter angreifen "wo immer nötig"

Netanyahu kündigte noch am Donnerstag weitere Angriffe auf Ziele der pro-iranischen Hisbollah-Miliz an. Es werde weitere Angriffe geben, "wo immer" das "nötig" sei, bis die Sicherheit für Bewohner im Norden Israels "vollständig wiederhergestellt" sei, erklärte Netanyahu am Donnerstag im Onlinedienst X.

Das israelische Militär erklärte, es gehe weiter mit Bodentruppen im Südlibanon vor. In der Nacht zum Donnerstag seien zwei wichtige Übergänge getroffen worden, die von Hisbollah-Kämpfern zum Transport von "tausenden Waffen, Raketen und Abschussvorrichtungen" über den Fluss Litani Richtung Süden genutzt worden seien, hieß es in einer Erklärung der Armee. Mehrere Waffenlager, Abschussvorrichtungen und Gefechtsstände seien angegriffen worden.

- Anzeige -
- Anzeige -

Europäer fordern Ende der Angriffe

Europäische Regierungen haben Israel aufgefordert, die massiven Angriffe auf den Libanon zu beenden. Sowohl Spanien, Großbritannien, Frankreich als auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas mahnten am Donnerstag, die zwischen USA und Iran ausgehandelte Waffenruhe auch auf den Libanon zu übertragen.

Spaniens Außenminister José Manuel Albares warf Israel vor, mit den Luftangriffen gegen das Völkerrecht und die zweiwöchige Waffenruhe im Nahen Osten verstoßen zu haben. Auch der französische Außenminister Jean-Noël Barrot betonte, dass die zwischen den USA und Iran vereinbarte Waffenruhe für den Libanon gelten müsse - diese Interpretation hatte Israels Ministerpräsident Netanyahu zuvor zurückgewiesen. Die britische Außenministerin Yvette Cooper bezeichnete Israels Bombardierung des Libanon als "zutiefst schädlich".

Auch der deutsche Kanzler Friedrich Merz kritisierte das harte Vorgehen der israelischen Armee. "Wir sehen mit besonderer Besorgnis die Lage im Süden des Libanon", sagt der Kanzler. "Die Härte, mit der Israel dort Krieg führt, könnte den Friedensprozess als Ganzes zum Scheitern bringen, und das darf nicht geschehen", mahnt er.

Uneinigkeit über Geltung von Iran-Waffenruhe im Libanon

Bisher haben die USA und Israel bestritten, dass die mit dem Iran vereinbarte Waffenruhe auch für den Libanon gilt. Dagegen pochen der Iran und das als Vermittler agierende Pakistan darauf, dass die Feuerpause auch für den Libanon und damit für die mit dem Iran verbündete Hisbollah-Miliz greift.

Durch die Angriffe im Libanon würden die geplanten Verhandlungen sinnlos, erklärte der iranische Präsident Masoud Pezeshkian. Dennoch reisten iranische Unterhändler nach Pakistan, um sich dort am Samstag mit einer US-Delegation zu den ersten Friedensgesprächen zu treffen.

Wegen der israelischen Angriffe im Libanon hält der Iran seine Blockade der Straße von Hormuz aufrecht, was zu beispiellosen Störungen der weltweiten Energieversorgung führt. In den ersten 24 Stunden der Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA passierten lediglich ein Öltanker und fünf Frachter die Meerenge, wie aus Schifffahrtsdaten hervorging. Vor dem Krieg waren es täglich rund 140 Schiffe, die etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen transportierten.

- Anzeige -
- Anzeige -

Mehr entdecken