Neue Vitrine im hdgö zeigt Nachlass einer NS-Aktivistin

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Foyer-Vitrine zeigt Nachlass einer NS-Aktivistin

Bild: APA/APA/hdgö/David Tiefenthaler/David Tiefenthaler


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"Wir wollten uns auf die breite Mitverantwortung der österreichischen Gesellschaft fokussieren und gezielt eine weibliche Biografie beleuchten." Am Dienstag gab hdgö-Kuratorin Mara Metzmacher Einblicke in die neue Präsentation "NS-Aktivistin im Verborgenen. Fokus auf einen Nachlass." in der Foyer-Vitrine im Haus der Geschichte, die Hinterlassenschaften der Tiroler NS-Aktivistin Paula Lang zeigt. Am Abend stehen bei der Eröffnung auch Vorträge auf dem Programm.

Die Vitrine im Café-Bereich wird genutzt, um einzelne Momente der Zeitgeschichte sichtbar zu machen. Laut Gründungsdirektorin Monika Sommer stehen die Präsentationen im Dialog mit aktuellen gesellschaftlichen Themen und den Ausstellungen im Haus. "Besonders dieses Jahr, 40 Jahre nach der Waldheim-Affäre, ist der Fall stellvertretend für viele andere, die geholfen haben, das NS-System zu etablieren. Die Präsentation des Nachlasses ist auch mit unserer Online-Sammlung verbunden."

Weibliche NS-Biografie im Fokus

Der Nachlass der NS-Aktivistin Paula Lang (verheiratet Wackerle) und ihrem Ehemann Hans Wackerle besteht aus über 500 Objekten und wurde dem hdgö in einem Koffer übergeben. In diesem wird der Nachlass auch präsentiert. Metzmacher: "Im Fokus der Objektpräsentation steht Paula Lang." Man wolle gezielt eine weibliche Biografie beleuchten, "um den milden Umgang mit illegalen NS-Aktivistinnen in der Dollfuß-Schuschnigg-Diktatur und die widersprüchlichen Geschlechterbilder im Nationalsozialismus zu thematisieren." Fotoalben, NS-Literatur, Briefkorrespondenz, Dokumente und persönliche Erinnerungsgegenstände offenbaren die Lebensgeschichte der NS-Aktivistin.

Geringere Urteile für NS-Aktivistinnen

Teil der Präsentation sind auch drei Fotografien, die Lang im Profil, frontal und mit Blick zur Seite abbilden, diese wurden 1937 im Rahmen von polizeilichen Ermittlungen gegen Lang wegen ihrer Betätigung für die illegale NSDAP aufgenommen. Es kam zu einem Gerichtsverfahren, doch die ursprünglich angesetzte Strafe von vier Monaten Arrest wurde auf zwei Monate zur Bewährung herabgesetzt. "Für uns steht da mehr dahinter, in der Diktatur kann man einen gewissen sexistischen Bias der Behörden bemerken. Frauen wurden viel weniger angeklagt als Männer und es kam meistens zu geringeren Urteilen."

Da weiblicher NS-Aktivismus in der Dollfuß-Schuschnigg-Diktatur als unpolitisch und "harmlos" wahrgenommen wurde, konnten viele ihren Aktivismus einfach fortsetzen. "Die Fotografien wurden auch nachträglich gerahmt, was auf eine positive Umdeutung ihrer illegalen Taten hinweisen könnte", fügt Metzmacher hinzu.

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50 Prozent der Sammlung online verfügbar

Eine weiterführende Auseinandersetzung mit den Objekten findet sich im Internet. Etwa die Hälfte der hdgö-Sammlung ist mittlerweile online aufbereitet. Der Öffentlichkeit stehen Fotografien und technische Informationen sowie eine historische Einbettung der Objekte zur Verfügung. Sommer: "Es ist letztlich auch eine Argumentation: Warum werden bestimmte Objekte in den Bestand aufgenommen und andere nicht? Es kann nicht alles aufbewahrt werden, und da unser Bestand Teil der Bundessammlungen ist, müssen wir auch entscheiden, was Teil des kulturellen Erbes Österreichs wird."

(S E R V I C E - Foyer-Vitrine "NS-Aktivistin im Verborgenen. Fokus auf einen Nachlass." im Haus der Geschichte Österreich, Neue Burg, Heldenplatz, 1010 Wien, https://hdgoe.at/ns-aktivistin-im-verborgenen )

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