Österreichische Architekturprojekte im Postkolonialismus
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von AgenturenBlick in die Ausstellung "Global - Neutral" im AzW Wien
Bild: APA/APA/AzW/Reiner Riedler/Reiner Riedler
Nach 1945 entstand eine neue Weltordnung, die Prozesse der Dekolonialisierung und der Kalte Krieg veränderten globale Machtverhältnisse und schufen neue politische Allianzen. Architektur wurde zum Bestandteil dieser "weltweiten Aushandlungsprozesse", hieß es am Mittwoch bei einem Medientermin des Architekturzentrums Wien (AzW). Dieses folgt mit einer neuen Schau Spuren österreichischer Architekten, die von 1955 bis 1989 in afrikanischen und asiatischen Ländern tätig waren.
Die neuen unabhängigen Staaten in Asien und Afrika wurden spätestens ab den 50er-Jahren zu aktiven und bedeutenden Schauplätzen der internationalen Architekturproduktion", sagte Susanne Rick, gemeinsam mit Monika Platzer, Kuratorin der Ausstellung "Global - Neutral". "Sie hatten eine intensive Bautätigkeit, vor allem auch im Zusammenhang mit staatlichen Modernisierungsprogrammen - also Schul- und Wohnbau, Infrastruktur, aber auch repräsentative Gebäude. Dadurch haben sie Architekten und Architektinnen sowie Baufirmen aus der ganzen Welt angezogen und teilweise sehr gezielt eingeladen."
"Österreichische Architekten und Architektinnen agierten in diesem Zusammenhang aus einer besonderen Position heraus, die sich aus der Neutralität ergab", erläuterte AzW-Chefin Angelika Fitz. Auf internationaler Ebene pflegte das Land das Image einer kolonial unbelasteten Nation und positionierte sich als neutraler Vermittler. Im Gegensatz zu Planern aus den Großmächten, die häufig als Vertreter eines politischen Blocks wahrgenommen wurden, traten österreichische Architekten als vergleichsweise unabhängige Partner auf.
Pläne, Fotos und Modelle
"Global - Neutral" richtet den Blick auf dieses "unbeleuchtete Kapitel der österreichischen Architekturgeschichte", wie Fitz betonte. Pläne, Fotos und Modelle aus der AzW-Sammlung zeigen Projekte u.a. von Hannes Lintl, Carl Pruscha, Roland Rainer und Helene Koller-Buchwieser. Anhand von "sieben Episoden" thematisiert die Schau die vielfältigen Verflechtungen zwischen Architektur, Geopolitik, Entwicklungszusammenarbeit und transnationalem Wissensaustausch. "Der Ansatz ist fragmentarisch und collagenartig, keine großartige Inszenierung, mehr ein Work Environment", umriss Platzer die Gestaltung.
Das Thema habe "momentan enorme Relevanz und auch einen sehr starken Gegenwartsbezug", betonte Platzer. Denn das Kapitel "Die Persische Welle" handelt etwa von iranischen Studenten, die in den 60er-Jahren in Österreich Architektur studierten. "Wir folgen ihren Projekten im Iran in den 1970er-Jahren und zeigen auch andere Kollaborationen, Formen der Zusammenarbeit zwischen österreichischen und iranischen Architektinnen und Architekten", betonte Co-Kuratorin Susanne Rick.
Vielstimmigkeit und Widersprüche
Durch Einbindung von Stimmen aus der Region sollte eine Vielstimmigkeit erzeugt werden, "die auch Widersprüche nicht ausschließt", versicherte Fitz. Das Kapitel "Geopolitische Verflechtungen" am Anfang der Schau zeigt, wie das Bauen in postkolonialen und noch kolonialen Ländern ab den 50ern wichtiges Thema im internationalen Architekturdiskurs wird. "Österreichische Vertreter begannen da bereits an Wettbewerben teilzunehmen, unter anderem im Kongo oder in Äthiopien", erläuterte Rick. "Monumente einer neuen Ära" behandelt repräsentative Bauwerke im Kontext postkolonialer Nationsbildung. "Zwischen Diplomatie und Deal" folgt Projekten an der Schnittstelle diplomatischer und wirtschaftlicher Interessen.
Des Weiteren wird der Blick auf die Kooperation österreichischer Architekten mit NGOs und kirchlichen Organisationen im Zusammenhang mit Entwicklungszusammenarbeit gerichtet. Am Ende führen "Exkurse in den Orient".
(S E R V I C E - "Global - Neutral. Architektur aus Österreich in Afrika und Asien 1955-1989" im Architekturzentrum Wien, Ausstellungshalle 2, Museumsquartier Wien, 16.4.-5.10., Buch zur Ausstellung herausgegeben von Monika Platzer, Susanne Rick und dem AzW, 206 Seiten, 38 Euro, ISBN 978-3-03860-473-0; www.azw.at )
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