Sabotage bei Pipeline: Ermittlungen laufen auf Hochtouren
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von AgenturenSabotage an der TAL-Pipeline
Bild: APA/APA/EXPA/JFK/EXPA/JFK
Nach der Beschädigung eines Strommasts der 132-kV-Leitung Tolmezzo-Paluzza in der Provinz Udine, die das Netz der Transalpine Ölpipeline (TAL) speist, laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Die im Fall ermittelnden Carabinieri befragen Fachleute der Netzgesellschaft Terna, die die Beschädigung des Strommasts am 25. März gemeldet haben. Sie wollen die Ursachen der Unterbrechung im Stromnetz infolge der Beschädigung durch Unbekannte klären, verlautete es aus Ermittlerkreisen.
Eine TAL-Sprecherin bestritt gegenüber der APA, dass es sich um eine Sabotage direkt an der Ölpipeline handle. Der Schaden betreffe einen Strommast von Terna, der auch die TAL-Pipeline versorge. Über den finanziellen Schaden, der wegen der Unterbrechung der Ölversorgung entstanden sei, wollte TAL keine Auskunft geben.
"Ohne Pipeline in Österreich kein Öl"
Die OMV in Schwechat bezieht ihr Öl fast zur Gänze über diese Pipeline, sagte Ölmarktexperte Johannes Benigni von der Energieberatungsfirma JBC Vienna dem Ö1-Morgenjournal. "Diese Versorgung ist essenziell, weil ohne diese Pipeline haben wir in Österreich quasi kein Öl, außer das, was wir selber fördern."
Das österreichische Energieministerium teilte auf Anfrage der APA mit, dass es über den Ausfall informiert worden sei und auch darüber, dass eine Sabotage nicht ausgeschlossen werden könne. Das Ministerium teilte weiter mit, dass zu keinem Zeitpunkt eine kritische Versorgungslage für Österreich bestanden habe. Die Raffinerie Schwechat verfügte über ausreichend Rohöl, um den Vollbetrieb aufrechtzuerhalten. Auch die Pflichtnotstandsreserve musste nicht angegriffen werden. Der überwiegende Teil der Pflichtnotstandsreserve werde in Österreich gelagert, ein Teil im italienischen Triest, wobei der genaue Anteil aus "Gründen der Sensibilität" nicht mitgeteilt werde.
Aus dem österreichischen Innenministerium hieß es auf Anfrage der APA, es gebe, wie in derartigen Fällen üblich, einen engen Austausch zwischen den österreichischen und italienischen Sicherheitsbehörden. Die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) arbeitet, als verantwortliche Stelle für den Schutz kritischer Infrastrukturen im Innenministerium, eng mit Betreibern zusammen. Sie berät zu physischen, organisatorischen und hybriden Bedrohungen.
Hohe Sicherheitsvorkehrungen entlang der Pipeline
Laut der TAL-Sprecherin sollen nach dem Vorfall die Sicherheitsvorkehrungen an der Pipeline gestärkt werden. Diese seien bereits sehr hoch und würden den höchsten Standards entsprechen, die für Infrastrukturen dieser Art vorgesehen sind. Als Technologieführer setzt die TAL-Gruppe auf modernste Steuerungs- und Überwachungssysteme.
Wegen dem Schaden an dem Strommast, der sich in einem schwer zugänglichen Gebiet der Gemeinde Tolmezzo nahe der kärntnerischen Grenze befindet, musste die Ölversorgung unterbrochen werden. Laut Ermittlungen und Zeugenaussagen vor Ort sei der Strommast nicht durch natürliche Ursachen zu Boden gegangen. Die Basis des Mastes wurde offenkundig mit einer Brennschneidflamme abgetrennt. Die Aktion scheint darauf abgezielt zu haben, keinen sofortigen Zusammenbruch des Strommasts zu verursachen, sondern einen langsamen Kollaps, der die Versorgung der Pumpstationen des Ölpipelinesystems hätte unterbrechen sollen.
TAL-Pipeline ist 753 Kilometer lang und seit 1967 in Betrieb
Die TAL-Pipeline ist 753 Kilometer lang und seit 1967 in Betrieb. Sie transportiert Rohöl vom Hafen in Triest nach Deutschland, Österreich und in die Tschechische Republik. Versorgt werden Raffinerien der OMV (Burghausen in Deutschland und Schwechat), Bayernoil und Unipetrol (Tschechien), Gunvor und MiRO. Die Pipeline transportierte 2025 insgesamt 41,6 Mio. Tonnen Rohöl. Als weltweit einziges System gewinnt sie zudem direkt aus dem Rohöldurchfluss CO2-freie Energie.
41,6 Millionen Tonnen Rohöl transportierte die TAL im Jahr 2025 von Triest nach Ingolstadt - größtenteils unterirdisch und für die Öffentlichkeit unsichtbar. Mit diesem Durchfluss steigerte die TAL die Werte des Vorjahres um 3,4 Prozent und erreicht wieder Vor-Pandemie-Werte. Von den insgesamt 753 Kilometern Leitungslänge verlaufen 161 Kilometer durch Österreich, konkret durch die Bundesländer Kärnten, Tirol und Salzburg.
Die TAL-Gruppe besteht aus drei eigenständigen Ländergesellschaften mit Hauptsitzen in Italien, Österreich und Deutschland. Der Sitz der TAL Transalpine Ölleitung in Österreich Ges.m.b.H. befindet sich in Kienburg bei Matrei in Osttirol. Die TAL in Österreich beschäftigt 26 Mitarbeitende. Zusätzlich arbeiten zahlreiche regionale Partnerunternehmen entlang der Trasse und tragen wesentlich zur laufenden Wartung,Überwachung und technischen Integrität der Pipeline bei. "Diese hohe Integrität und Betriebssicherheit basieren bei der TAL auf dem Zusammenspiel modernster Infrastruktur, konsequent angewandter HSSE-Standards sowie eines hochqualifizierten, engagierten und effizient arbeitenden Teams", so in einer TAL-Presseaussendung.
Die TAL-Pipeline ist eine strategische Infrastruktur. Sie wurde am 4. August 1972 Ziel eines terroristischen Anschlags durch die palästinensische Gruppe "Schwarzer September". Der Angriff zielte auf die Tanks ab, doch Fehler bei der Platzierung der Sprengsätze begrenzten den Schaden.
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