Rotes Kreuz: Rettungskräfte im Libanon unter Beschuss
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von AgenturenMitarbeiter des libanesischen Roten Kreuzes im Libanon
Bild: APA/APA/LEBANESE RED CROSS
Israel und der Libanon haben am Donnerstag eine zehntägige Waffenruhe vereinbart. Zuvor hatten sich die israelische Armee und die Hisbollah-Miliz unvermindert bekriegt. "Luftangriffe stehen auf der Tagesordnung", sagte Magdalena Penninger vor der Vereinbarung im APA-Gespräch. Sie ist Delegationsleiterin des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK) in Beirut. Die humanitäre Lage sei prekär, Rettungseinsätze gefährlich. Am Sonntag starb ein Rot-Kreuz-Mitarbeiter durch eine Drohne.
Seit Beginn des Kriegs zwischen Israel, dem Iran und den USA Ende Februar hatte die pro-iranische Hisbollah ihre Angriffe auf Israel intensiviert. Israel antwortete mit massiven Luftangriffen im Libanon. Allein am 8. April gab es "innerhalb von zehn Minuten über hundert Luftangriffe im ganzen Land - ohne Vorwarnung", sagte Penninger. Israelische Angriffe töteten bisher über 2.000 Menschen. Unter den Toten sind 172 Kinder. "Es wurden ganze Familien ausgelöscht", so Penninger.
Rettungseinsätze trotz Hindernissen
Das Rote Kreuz fährt Rettungsdienste im ganzen Land - trotz Angriffen und zerbombter Brücken. "Wir warten jetzt länger, bis wir die Kollegen hinschicken, weil es teilweise auch Doppelangriffe gibt", erklärte Penninger. Doppelangriffe zielen auf diejenigen ab, die am Ort eines ersten Angriffs eintreffen. Zerstörte Infrastruktur und das Abwarten von Doppelangriffen würden Rettungseinsätze verzögern. Dabei sei jede Minute wichtig, "um Menschenleben zu retten".
Am Sonntag tötete eine israelische Drohne einen Mitarbeiter des libanesischen Roten Kreuzes im Südlibanon. Der Mitarbeiter Hassan Badawi sei als Rot-Kreuz-Mitarbeiter erkennbar gewesen und sein Rettungseinsatz zuvor angekündigt worden. "Er war dabei, die Trage aus dem Rettungswagen zu holen", beschrieb Penninger. Der Angriff habe humanitäres Völkerrecht "ganz klar" verletzt.
Im Libanon sind rund eine Million Menschen auf der Flucht. 133.000 Vertriebene sind in Notunterkünften untergebracht. Mehrere Schulen wurden zu Notunterkünften umfunktioniert. Der Platz sei knapp, die Nächte kalt und regnerisch, sagte Penninger. "In Beirut schlafen Menschen auf der Straße, unter freiem Himmel."
(Das Gespräch führte Pia Hecher/APA)
(Redaktioneller Hinweis: Das Rote Kreuz bittet dringend um Spenden zum aktuellen Konflikt im Nahen Osten: Österreichisches Rotes Kreuz, IBAN: AT57 2011 1400 1440 0144, BIC: GIBAATWWXXX, Erste Bank: BLZ 20.111, Kennwort: Naher Osten. Oder online unter wir.roteskreuz.at/naher-osten)
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