Salzburger Festspiele: Karin Bergmann als "Brückenbauerin"
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von AgenturenKarin Bergmann sieht sich als "Brückenbauerin"
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Nachdem das Kuratorium der Salzburger Festspiele am Dienstag überraschend Ex-Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann als interimistische Intendantin verkündet hatte, stellte sich die 72-Jährige am Mittwoch erstmals der breiten Öffentlichkeit. Zuvor hatte die deutsche Theatermanagerin erst das Gespräch mit den Mitarbeitenden gesucht. Und auch gegenüber den Medien zeigte sich Bergmann nun offenherzig: "Dass ich hier sitze, ist natürlich eigentlich eine Ungeheuerlichkeit."
Die Anfrage zur Übernahme der interimistischen Leitung in den kommenden zwei Festspieljahren habe sie kalt erwischt. "Das hat mich zunächst in einen unglaublichen Gewissenskonflikt gestürzt. Ich habe mir vorgestellt, hier eines Tages zu sitzen - an der Seite von Markus Hinterhäuser", unterstrich Bergmann und betonte zugleich: "Für mich ist ganz klar, dass ich nicht gegen Markus Hinterhäuser hier sitze, sondern wegen ihm."
Die Präferenz Hinterhäusers für Bergmann als neue Leiterin des Schauspiels, obwohl sich diese nicht wie vom Kuratorium verlangt offiziell beworben hatte, gilt als letzter Punkt, der den Faden zwischen Intendant und Kuratorium reißen ließ. Zu den genauen Hintergründen könne sie selbst allerdings nichts sagen, unterstrich die Neo-Festspielchefin, da sich weder Kuratorium noch Hinterhäuser klar äußern würden. "Um die Freiheit der Kunst geht es in keiner Weise. Es geht um andere Dinge, über die aber von allen der Mantel des Schweigens gebreitet wird."
Sommer im Sinne von Hinterhäuser ermöglichen
Es gelte zu Markus Hinterhäuser jedenfalls festzuhalten: "Er hat künstlerisch wie ökonomisch nur Erfolge vorzuweisen. Dass er hier nicht mehr sitzt, ist etwas, das uns alle bestürzt." Nun gelte es aber, die Festspiele im Sommer nach den schwierigen vergangenen Wochen zu ermöglichen, weshalb man nach vorne schauen müsse und werde: "Mein Hauptanliegen ist, den Sommer im Sinne von Markus Hinterhäuser zu ermöglichen."
Im Gleichklang mit dem geschassten Intendanten scheint der Schritt zur Übernahme der Intendanz jedoch nicht erfolgt zu sein. "Ich habe mit Markus Hinterhäuser gesprochen. Das war ein sehr, sehr schwieriges Gespräch, das mich persönlich auch sehr belastet", gestand Bergmann. "Ich würde mich nicht trauen zu prognostizieren, ob die Zeit Wunden heilt." Sie hoffe jedenfalls, dass Hinterhäuser seine beiden angesetzten Konzerte als Pianist im Sommer spielen werde: "Ich habe ihn um Großzügigkeit gebeten. Aber natürlich ist Markus Hinterhäuser in einer Situation, in der sich niemand ein Urteil von uns erlauben darf."
"Sehe mich für zwei Sommer als Brückenbauerin"
Ihre eigene Rolle sei für sie dabei klar umrissen. "Ich sehe mich für zwei Sommer als Brückenbauerin", machte Bergmann deutlich. Ihre Antwort auf die Frage, ob sie sich für die Intendanz ab 2028 bewerben werde, fällt entsprechend eindeutig aus: "Definitiv nein." Ob dieses Nein auch für die Schauspielleitung gelte, ist hingegen nicht ganz so definitiv: "Spontan würde ich sagen: Nein. Wenn ich mir mein Leben anschaue, sage ich: Sag niemals nie."
Das Programm für heuer sei jedenfalls komplett durchgestaltet, das kommende Jahr zumindest im Opernbereich schon weit geplant. Das Schauspiel sei noch offen, dem sie sich mit ihrer neuen Mitarbeiterin Miriam Lüttgemann, der früheren Geschäftsführerin des Berliner Ensembles, nun zentral widmen werde. Ihre Rolle als Verantwortliche für das Theaterprogramm der Gmundner Festwochen werde sie zugleich wie geplant heuer letztmalig ausüben. "Ich werde keine Kindesweglegung betreiben", so Bergmann. Wenn es möglich sei, werde sie zu einzelnen Terminen nach Gmunden reisen.
Das Kalmieren der aufgewühlten Stimmung unter den Künstlerinnen und Künstlern der Festspiele sei in ihren Augen eine weitere Aufgabe, so Bergmann. Sie habe bereits mit Größen wie Peter Handke, Elfriede Jelinek und zahlreichen weiteren Künstlern gesprochen, um Unsicherheiten auszuräumen. Zugleich sei ihr dabei versichert worden, dass der zuletzt veröffentlichte Brief pro Hinterhäuser von Kunstschaffenden noch vor ihrer Ernennung unterzeichnet wurde.
"Denunziation ganz großes Problem"
Zur Diskussionen im Kulturbereich über etwaiges Fehlverhalten von Führungsfiguren und eine toxische Kultur der Mitarbeiterführung zeigte sich Bergmann indes kritisch. Sie empfinde es als "enorm belastend", wenn Menschen sich nach langer Zeit ohne Namensnennung zu einem einstigen Arbeitsklima zu Wort melden würden. "Das geschieht alles anonym. Das finde ich ein Problem", machte die Neo-Festspiel-Intendantin deutlich: "Ich finde diese Art von [...] Denunziation im Nachhinein, wo keiner mehr die Chance hat, es aufzuklären, ein ganz großes Problem für Arbeitskultur. Das muss geändert werden."
Rosen von Crepaz und Hammer
Rosen streuten Bergmann in der Pressekonferenz der kaufmännische Festspiel-Direktor Lukas Crepaz sowie Präsidentin Kristina Hammer. "Wir freuen uns sehr, dass Karin Bergmann mit uns die nächsten beiden Jahre gestalten wird", betonte Crepaz und machte zugleich deutlich, wie bedrückend die vergangenen Wochen gewesen seien. Schließlich sei Markus Hinterhäuser nicht nur künstlerisch, sondern auch ökonomisch sehr erfolgreich gewesen. Nicht zuletzt habe man 20 Prozent mehr Vorbestellungen als im Vorjahr und 15 Prozent höhere Erlöse. "Wir blicken deshalb alle mit großer Freude auf den Sommer, der so etwas wie die Krönung des Programms von Markus Hinterhäuser ist."
Präsidentin Hammer hob die Rolle Bergmanns als Pionierin hervor: "Es freut mich ganz besonders, dass mit Karin Bergmann erstmals eine Frau die Leitung der Festspiele übernimmt. [...] Sie steht für große Glaubwürdigkeit im Kulturbetrieb und eine große Klarheit und Ruhe."
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