Schule in Salzburg plante nach Religion getrennte Klassen

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Getrennte Klassen nach Religionszugehörigkeit?

Bild: APA/APA/EVA MANHART/EVA MANHART


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Die Direktorin der Volksschule Liefering I in der Stadt Salzburg hat geplant, ab Herbst die drei ersten Klassen nach der Religionszugehörigkeit der Schüler und Schülerinnen einzuteilen und eine rein katholische Klasse einzuführen. Dadurch wäre ein zweistündiger Religionsunterricht in der Woche gewährleistet, erklärte sie gegenüber den "Salzburger Nachrichten" (SN, Mittwochausgabe). Bildungsdirektor Rudolf Mair lehnt das Vorhaben ab, wie er gegenüber der APA bestätigte.

Die betroffenen Eltern wurden bereits über den Plan der Volksschuldirektorin informiert. Das Vorhaben sorgte offenbar für Aufregung. Eine Mutter, die damit nicht einverstanden war, wandte sich an die SN. Die Direktorin erläuterte gegenüber der Zeitung den Hintergrund dieser Klasseneinteilung. Wenn eine gewisse Zahl an Anmeldungen für den Religionsunterricht unterschritten sei, gebe es nur mehr eine Religionsstunde pro Woche. "Wir haben immer weniger getaufte katholische Kinder. Wenn ich diese auf die drei Klassen aufteilen würde, würde das bedeuten, dass jede Klasse nur eine Religionsstunde hat."

"Stoff für die Erstkommunion kann nicht durchgemacht werden"

Vor allem in Hinblick auf die Erstkommunion sei eine Religionsstunde pro Woche zu wenig, da könne der Stoff, der dafür nötig sei, nicht durchgemacht werden, sagte die Direktorin, die selbst Religionslehrerin ist und vor ihrer Tätigkeit in Liefering auch bei der katholischen Kirche beschäftigt war.

Gegenüber der APA sagte sie, es sei ihr darum gegangen, dass Kinder islamischer oder orthodoxer Religionszugehörigkeit auch am Vormittag einen Religionsunterricht besuchen können. Sonst würden sie sich abmelden, wenn der Religionsunterricht für Andersgläubige am Nachmittag stattfindet. Ihre Intention sei gewesen, homogene Klassen einzuteilen, damit in drei Religionen ein zweistündiger Religionsunterricht angeboten wird. Sie habe jedenfalls nicht diskriminierend vorgehen, sondern den interreligiösen Dialog fördern wollen.

Von Eltern sei die Kritik gekommen, dass sie "Ausländerklassen" beziehungsweise eine "Österreichklasse" schaffen würde. Das sei nicht der Fall, sagte die Volksschuldirektorin zu den SN. "In der Klasse, in die die muslimischen Kinder gehen, haben 17 von 21 die österreichische Staatsbürgerschaft. Die sprechen perfekt Deutsch."

Andere Schulen, die mehr Kinder mit anderer oder keiner Religionszugehörigkeit hätten, hätten auch bessere Ressourcen, um mit dieser Situation umzugehen, sagte sie gegenüber der Zeitung. "Was mache ich, wenn in einer Klasse die Hälfte hinausgeht, weil sie den Religionsunterricht nicht besucht? Ich habe nicht die Lehrer, die zu beaufsichtigen." Hintergrund der Situation ist laut SN, dass es in Liefering I auf Initiative der Volksschuldirektorin mittlerweile eine schulische Nachmittagsbetreuung gibt. Dadurch stiegen auch die Schülerzahlen. "Im Herbst geht es von 204 auf 220 Kinder." Neben den drei ersten Klassen gebe es auch eine Vorschulklasse und eine Deutschförderklasse.

Salzburger Bildungsdirektor hat bereits eine Weisung erteilt

Der Plan der Volksschuldirektorin war offenbar mit dem katholischen Schulamt und dem Schulqualitätsmanagement der Bildungsdirektion akkordiert. Bildungsdirektor Rudolf Mair zeigte sich davon überrascht. Er lehnt das Vorhaben ab. Er habe bereits die Weisung erteilt, dass es keine Klasseneinteilung nach religiösen Bekenntnissen gebe, und die Volksschuldirektorin zu einem Gespräch eingeladen, sagte er am Mittwoch auf APA-Anfrage.

Freilich sei die Einteilung der Klassen eine Angelegenheit der Schulleitung, dies müsse aber innerhalb des schulrechtlichen Rahmens erfolgen, erklärte Mair. Wenn die Grundsätze nicht eingehalten werden, zum Beispiel ethischer Art, "mische ich mich ein". "Wir wollen doch die Religion nicht hochstilisieren als fremdes Element."

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"Wir wollen eine inklusive Gesellschaft"

Er vermute, dass es sich da um eine Kurzschlusshandlung der Volksschuldirektorin gehandelt habe, da es schulorganisatorisch schwierig sei, für Kinder, die vom Religionsunterricht abgemeldet sind, eine Aufsicht zu finden. Heutzutage habe sich die Anzahl der katholischen Kinder in Schulen verringert, es gebe auch Kinder mit anderen Glaubensbekenntnissen und ohne religiösem Bekenntnis. Aber deshalb Klassen nach der Religionszugehörigkeit der Kinder einzuteilen, sei nicht wünschenswert. Zur SN sagte Mair, "wir wollen eine inklusive Gesellschaft, wo man lernt, miteinander auszukommen. Gerade bei den Kindern ist das wichtig, das von klein auf zu lernen."

Er würde sich wünschen, dass parallel zum Religionsunterricht ein altersgerechter Ethikunterricht für all jene Kinder angeboten wird, die keinen Religionsunterricht besuchen und die ohne Bekenntnisse sind, regte Mair im Gespräch mit der APA an. Dies könnte zur altersgerechten Demokratiebildung bereits in Volksschulen beitragen und ethische Grundsätze in der westlichen Welt vermitteln. Dazu bräuchte es aber eine Gesetzesänderung auf Bundesebene.

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