Weltmigrationsbericht 2026: So viele Vertreibungen wie nie

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von Agenturen

IOM: Häufigste Ursache für Vertreibung sind Naturkatastrophen

Bild: APA/APA/AFP/PATRICK MEINHARDT


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Mehr Menschen als je zuvor sind Vertriebene. Das geht aus dem Weltmigrationsbericht 2026 der Internationalen Organisation für Migration (IOM) hervor, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Über 120 Millionen Menschen lebten Ende 2024 in Vertreibung. Dabei waren insgesamt mehr als 83 Millionen Menschen innerhalb ihres Landes auf der Flucht. Allein im Jahr 2024 habe es geschätzt 65,8 Millionen neue Binnenvertreibungen gegeben, dabei waren Naturkatastrophen die häufigste Ursache.

70 Prozent bzw. rund 45,8 Millionen Binnenvertreibungen im Jahr 2024 seien auf Ereignisse wie Überschwemmungen, Stürme und Dürren zurückzuführen - und 20,1 Millionen auf Konflikte und Gewalt. Klima- und wetterbedingte Katastrophen seien häufiger und schwerwiegender geworden und trügen zu einer Rekordzahl von Binnenvertreibungen bei. Die Zahl sei die höchste, die in der Neuzeit verzeichnet wurde. Es seien auch mehr als doppelt so viele Binnenvertreibungen als noch vor etwas mehr als einem Jahrzehnt, betont IOM. Bei vielen dieser Bevölkerungsbewegungen handle es sich um kurzfristige Evakuierungen.

Sudan verursacht eine der größten Vertreibungskrisen

Der Sudan hatte 2024 die höchste Zahl an Binnenvertriebenen, nämlich 11,6 Millionen. Dies sei bedingt durch den seit 2023 tobenden Bürgerkrieg und der damit zusammenhängenden katastrophalen humanitären Lage im Land. Die Zahl der sudanesischen Flüchtlinge und Asylsuchenden erreichte 2024 2,8 Millionen und stieg damit in einem Jahr um rund 1 Million. Die meisten wurden von Nachbarländern aufgenommen. Im Jahr 2024 war der Sudan weltweit das fünftgrößte Herkunftsland von Flüchtlingen.

Auf dem ersten Platz in dieser Statistik lag 2024 Syrien mit über 5,9 Millionen Flüchtlingen. Doch hier verzeichnete IOM einen Rückgang, was zum Teil auf Rückkehrer aus dem Libanon sowie auf spontane Rückkehrer nach dem Sturz des Regimes von Diktator Bashar al-Assad im Dezember 2024 zurückzuführen war. Einen Rückgang bei Flüchtlingen von etwas mehr als 6,4 Millionen im Jahr 2023 auf rund 5,8 Millionen im Jahr 2024 gab es auch in Afghanistan.

Die Ukraine war im Jahr 2024 das Herkunftsland der meisten Flüchtlinge in Europa (mehr als 5 Millionen). Die meisten durch den russischen Angriffskrieg vertriebenen Ukrainerinnen und Ukrainer wurden von Deutschland und Polen aufgenommen. Deutschland, mit insgesamt mehr als 2,7 Millionen Flüchtlingen, nahm nach dem Iran und der Türkei die drittgrößte Zahl von Flüchtlingen weltweit auf. In Europa gehört Österreich zu den zehn europäischen Ländern mit den meisten Flüchtlingen und Asylsuchenden, es befindet sich nach Italien und Tschechien demnach auf Platz 9.

Insgesamt mehr als 300 Millionen Migranten

Insgesamt gab es bis Mitte 2024 weltweit schätzungsweise 304 Millionen internationale Migranten, was 3,7 Prozent der Weltbevölkerung entspricht. Während die absolute Zahl weiter wächst, hat sich der Gesamtanteil im Laufe der Zeit nur allmählich erhöht. Im Jahr 2020 waren es 275 Millionen Migranten (3,5 Prozent) und 250 Millionen (3,3 Prozent) im Jahr 2015. "Das verdeutlicht: Internationale Migration bleibt ein vergleichsweise seltenes Phänomen, die meisten Menschen leben nach wie vor in ihrem Geburtsland", erklärt IOM.

94 Millionen internationale Migranten lebten in Europa, was einem Anstieg von mehr als 13 Prozent seit 2020 entspricht. Die Zahl der nicht-europäischen Migranten in Europa betrug 38 Millionen. Die meisten davon stammten im Jahr 2024 aus Asien (20 Millionen), Afrika (10,6 Millionen) sowie Lateinamerika und der Karibik (etwas mehr als 6 Millionen). Europa sei gleichzeitig die einzige Weltregion mit flächendeckendem Bevölkerungsrückgang durch Alterung und Abwanderung. Zuwanderung könne diesen Rückgang in einigen Ländern jedoch abfedern, so IOM.

Die Golf-Staaten bleiben wichtige Ziele für Arbeitsmigranten vor allem aus Asien, heißt es im Bericht weiter. Die Migranten seien im Bau, Gastgewerbe, Einzelhandel sowie im Haushalts- und Pflegesektor tätig. Im Jahr 2024 machten internationale Migranten fast 77 Prozent der Bevölkerung von Katar aus. Katar ist das Land mit dem höchsten Anteil an internationalen Migranten, gefolgt von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Kuwait.

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9.000 Menschen auf der Flucht getötet

"Die Bekämpfung der irregulären Migration - bei gleichzeitiger Ausweitung sicherer Wege für reguläre Migration - bleibt unerlässlich, um Risiken für Migranten zu verringern und eine wirksame Migrationssteuerung zu unterstützen", schreibt IOM-Generaldirektorin Amy Pope in dem Report. Die Zahl der auf Migrationsrouten verstorbenen Menschen hat 2024 mit über 9.000 Fällen den höchsten Stand seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2014 erreicht.

Pope betont weiters, dass Migration ein starker Motor für Entwicklung sei. Die Überweisungen von Migranten in ihr Heimatland erreichten im Jahr 2024 weltweit schätzungsweise 905 Milliarden US-Dollar, davon 685 Milliarden Dollar an Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen. "Sie bieten Haushalten und Gemeinschaften lebenswichtige Unterstützung und wirken oft als Puffer in Krisenzeiten. Die Überweisungsströme in Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen übersteigen mittlerweile die offizielle Entwicklungshilfe und die ausländischen Direktinvestitionen zusammen."

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