Asbest im Burgenland: Steinbruch-Betreiber kontern Kritik

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von Agenturen

Betreiber halten Greenpeace-Messungen für unwissenschaftlich

Bild: APA/APA/GREENPEACE/MITJA KOBAL


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Die Betreiber der vier burgenländischen Steinbrüche, die im Jänner aufgrund einer Asbestbelastung behördlich gesperrt wurden, haben am Montag sowohl das Land als auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisiert. Die von ihnen durchgeführten Probenentnahmen und Messungen seien nicht fachgerecht erfolgt, betonten sie. Die Sperre der Steinbrüche halten sie für nicht gerechtfertigt.

Beide hätten falsche Verfahren und Messvorschriften eingesetzt, hielt der von den Betreibern hinzugezogene Experte Martin Kirschbaum fest. Das Land habe vor der Schließung lediglich den Massegehalt im Gestein gemessen, nicht aber den Gehalt von Asbestfasern in der Luft. Dieser sei jedoch für den Arbeitnehmer- und Bevölkerungsschutz ausschlaggebend, zumal es für den Asbestgehalt im Gestein in Österreich keinen Grenzwert gebe, kritisierte Frank Eichhorn, Betriebsleiter im Steinbruch Pilgersdorf (Bezirk Oberpullendorf).

Alle vier Betreiber wollen wieder aufsperren und haben einen Probebetrieb beantragt. Dieser wäre auch notwendig, um Luftmessungen bei Vollbetrieb durchführen zu können und so aussagekräftige Werte für eine Beurteilung der Betriebe zu haben, so Eichhorn.

Kritik an Vorgehensweise von Greenpeace

Die Messwerte von Greenpeace hält Kirschbaum für "nicht validierbar". Aus dem ausgebrachten Material seien einzelne Steinchen herausgenommen und untersucht worden, ohne bei der Probenentnahme auf statistische Genauigkeit zu achten, meinte er. Zwei Schottersteine würden noch nichts über das Asbestvorkommen auf einer ganzen Fläche aussagen.

Kirschbaum argumentierte, es passe nicht zusammen, dass die Messungen in den Steinbrüchen vor der Schließung immer unterhalb der Grenzwerte gewesen seien, auf einem Parkplatz aber plötzlich 50 Prozent Asbestbelastung festgestellt werde. "Woher kommt diese wundersame Asbestvermehrung?", hinterfragte er. Von den Steinbrüchen gehe seiner Ansicht nach keine Gefahr aus. Greenpeace warf er vor, die Bevölkerung zu verunsichern.

Der Großteil der Mitarbeiter aus den Steinbrüchen wurde mittlerweile gekündigt. Der wirtschaftliche Schaden sei enorm, hielten die Betreiber fest. Wie es weitergeht, könne man nur abwarten.

Greenpeace weist Vorwürfe zurück

Greenpeace wies die Vorwürfe der Betreiber zurück und bezeichnete deren Initiative in einer Aussendung als "Verzweiflungsmaßnahme". Umweltchemiker Herwig Schuster: "Die nach wissenschaftlichen Standards gezogenen Greenpeace-Proben zeigen brüchige Asbestfasern an stark strapazierten Oberflächen. Klarerweise landen hier krebserregende Asbestfasern in der Luft." Dies würden sowohl die Staubproben der Umweltorganisation als auch die Luftmessungen aus dem Burgenland und Ungarn zeigen.

Die Steinbruchbetreiber müssten "zur Kenntnis nehmen, dass das Geschäftsmodell Asbestschotter keine Zukunft hat", so Schuster. Eine Wiedereröffnung der Steinbrüche ist für ihn aufgrund der Asbestfaserbelastung "undenkbar": "Der Verkauf von asbestkontaminierten Materialien war nicht zulässig und wird es auch in Zukunft nicht mehr werden."

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