Klage über Notstand in Sonderpädagogik, Kritik an Reformplan

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von Agenturen

Behindertenorganisationen fordern echten Abbau von Barrieren

Bild: APA/APA/THEMENBILD/HARALD SCHNEIDER


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Behindertenorganisationen haben am Dienstag per offenem Brief die Reformpläne von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) für mehr Inklusion in den Schulen kritisiert. Bisherige Entwürfe zum Rechtsanspruch auf ein 11. und 12. Schuljahr für Jugendliche mit Behinderung, Änderungen bei Lehrerausbildung und Sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) verdienten eher das Prädikat "inklusionshemmend". Gewerkschaft und Eltern beklagten schon jetzt einen "Versorgungsnotstand".

Allein an den Pflichtschulen (Volks-, Mittel-, Sonder- und Polytechnische Schulen) würden derzeit 4.000 Stellen fehlen, kritisierten Pflichtschullehrervertretung, Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreich (Kija) und die "Elterninitiative für Kinder mit besonderem Bedarf" (EIKIB) in einer Aussendung am Tag der Inklusion. Derzeit gibt es über den Finanzausgleich nur zusätzliche Lehrerplanstellen für 2,7 Prozent der Schüler bis zur 9. Schulstufe, denen wegen einer Behinderung ein SPF attestiert wurde. Tatsächlich betroffen seien aber mehr als fünf Prozent.

"Die Überlastung an den Schulen hat ein nicht mehr tragbares Ausmaß erreicht", wurde Pflichtschullehrergewerkschafter Paul Kimberger (FCG) zitiert, die EIKIB berichtete von "verlorenen Entwicklungschancen und enormen Belastungen der Familien." Die Folge seien immer öfter reduzierter Schulbesuch, Suspendierungen und Schulabstinenz. Die Organisationen forderten eine sofortige Notfinanzierung bzw. mehr Ressourcen für den Herbst, eine Anhebung des SPF-Deckels an den tatsächlichen Bedarf und eine Personaloffensive. "Es braucht jetzt klare Entscheidungen statt weiterer Ankündigungen", betonten sie.

Sorge vor Fortschreibung der Strukturen

Behindertenrat, Diakonie, Lebenshilfe und Integration Österreich verlangten ihrerseits vom Bildungsminister "konkrete, rechtsverbindliche Regelungen" für mehr Inklusion. "Andernfalls besteht die Gefahr, dass unter dem Titel der Reform bestehende segregierende Strukturen fortgeschrieben oder sogar verfestigt werden." Koalitionspartner ÖVP drängte ebenfalls auf Änderungen. Auch Menschen mit Beeinträchtigung hätten ein Recht auf eine gute Bildung, die ihnen ein möglichst selbstbestimmtes Leben ermögliche, so Bildungssprecher Nico Marchetti. "Darauf haben wir uns innerhalb der Koalition verständigt und alle Mitglieder der Bundesregierung haben die Pflicht, das Vereinbarte umzusetzen - das gilt auch für Bildungsminister Wiederkehr."

Konkret forderten die Behindertenorganisationen, dass ein Rechtsanspruch auf das 11. und 12. Schuljahr auch Zugang zur Sekundarstufe II (Polytechnische-, Berufs-, Berufsbildende mittlere und höhere Schule/BMHS, AHS-Oberstufe) bedeutet. Ein verlängertes Schulbesuchsrecht dürfe nicht dazu führen, dass Schülerinnen und Schüler bloß länger in segregierenden Strukturen verbleiben. Bei der Neukonzeptionierung des umstrittenen SPF, der wegen schwammiger Kriterien je nach Bundesland ganz unterschiedlich vergeben wird, sieht der Lösungsvorschlag laut Behindertenorganisationen eine Unterscheidung in "behindert genug" und "nicht behindert genug" vor. Die Ressourcen müssten aber "flexibel, bedarfsorientiert und ohne stigmatisierende Hürden" vergeben werden. In der Lehrerausbildung sollte Inklusive Pädagogik aus Sicht der Behindertenverbände außerdem verbindlich in Aus-, Fort- und Weiterbildung aller Lehrkräfte verankert werden und nicht nur als Spezialthema einzelner Sonderpädagoginnen und -pädagogen.

Im Büro von Bildungsminister Wiederkehr wurde auf APA-Anfrage auf laufende Gespräche verwiesen. "Wir sind in einem permanenten Austausch mit allen Beteiligten und arbeiten gemeinsam an einer konstruktiven Lösung für alle betroffenen Kinder, Jugendlichen und deren Eltern."

(S E R V I C E - Offener Brief der Behindertenorganisationen https://go.apa.at/L0pO92oB)

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