Tiroler Kinderbetreuungsgruppen "bei weitem nicht voll"

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Tirol kommt der Erfüllung der Barcelona-Ziele näher

Bild: APA/APA/AFP/CHRISTOF STACHE


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Die schwarz-rote Tiroler Landesregierung hat im Zuge der Einführung eines Rechtsanspruchs auf Vermittlung eines Kinderbetreuungsplatzes ab dem zweiten Geburtstag erste Bilanz gezogen. Im Winter wurde die Vermittlungsplattform "Frida" erstmals in Betrieb genommen, 97 Prozent der angemeldeten Kinder bekamen bereits einen Platz zugewiesen. Nun habe sich jedoch gezeigt, dass in den Betreuungsgruppen noch genügend Platz wäre, hieß es am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

Dabei sei Tirol bei der Erreichung der Barcelona-Ziele - damit sind von der EU vorgegebene Betreuungsquoten gemeint - "definitiv spitze", sagte Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) bei dem Pressetermin im neu gebauten "Haus der Generationen" in der Gemeinde Tulfes (Bezirk Innsbruck-Land). Insbesondere bei den Über-Dreijährigen werde die Vorgabe mit 97 Prozent übererfüllt. Auch mit den zur Verfügung stehenden Plätzen zeigte sich der Landeshauptmann zufrieden - "alleine die Diskussion über den Rechtsanspruch hat in Tirol einiges bewegt". In den vergangenen drei Jahren seien über 30 neue Einrichtungen eröffnet worden.

Genügend Platz und Personal in Einrichtungen

Bei den Kindern unter drei Jahren werden die EU-Ziele nach einer jüngst beschlossenen Anhebung von 33 auf 45 Prozent dagegen nicht erreicht. Mit 34,4 Prozent habe man jedoch ein "Ergebnis, das sich sehen lässt", meinte Bildungslandesrätin Cornelia Hagele (ÖVP). An Platz und Personal liege es jedenfalls nicht: "Wir haben unsere Gruppen bei weitem nicht überall voll." Alleine in Innsbruck würden zehn Kindergartengruppen mit 20 Kindern nicht geführt, hieß es. Für Mattle lag dies auch an der finanziellen Unterstützung von Familien. Eltern würden sich vielfach deshalb entscheiden, mehr Zeit bei ihren Kindern zuhause zu verbringen.

Mittlerweile seien zudem viele Einrichtungen "VIF-konform" (Vereinbarkeitsindikator für Beruf und Familie, Anm.) und würden damit mit ihren Öffnungszeiten sowie einem Mittagstisch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleisten. Rund 56 Prozent der Über-Dreijährigen besuchen eine solche Einrichtung, ein Anstieg von drei Prozent im Vorjahresvergleich. Laut Hagele würden außerdem 60 Prozent der Kinder den Mittagstisch in Anspruch nehmen. Dies werde mit Blick auf die Ermöglichung von Ganztagsarbeit der Eltern "immer wichtiger".

Einen Einblick in diesen Status quo habe auch die digitale Vermittlungsplattform "Frida" gewährt. Von rund 11.500 angemeldeten Kindern würden nur 300 noch auf eine Platzzuweisung warten, sagte Hagele. Bei diesen Fällen kommen nun die im Land angesiedelten Koordinatoren zum Zug. In puncto Elternbeiträge verwiesen Hagele und Mattle indes auf die Empfehlung des Landes von an die Inflation angepassten 1,20 Euro pro Kind und Stunde. Daran werden sich die Gemeinden "orientieren", kündigte der Landeschef an.

Wohlgemuth: "Auch in Zukunft dranbleiben"

Landeshauptmannstellvertreter Philip Wohlgemuth (SPÖ) sprach indes von einem "sozialpolitischen Meilenstein". Die Online-Anmeldeplattform "Frida" garantiere den Tiroler Familien vor allem Planungssicherheit. "Kinderbetreuung darf kein Lotteriespiel sein", führte der Landesvize weiter aus. Das Projekt würde Elternteile von Teilzeitanstellungen entlasten, was sich wiederum positiv auf deren Karriere, Pension und auf die Tiroler Wirtschaft niederschlage. Er erkenne in der Kinderbetreuung eine dauerhafte Aufgabe und wies darauf hin, auch in Zukunft dranbleiben zu wollen. Was lange Zeit als schwierig galt, habe durch "konsequente Zusammenarbeit" mit den Gemeinden Schritt für Schritt verwirklicht werden können.

In der Gemeinde Tulfes werden im "Haus der Generationen" Kinderkrippe, Kindergarten und Kinderhort an einen Standort zusammengeführt. Zusätzlich integrierte Appartements für betreutes Wohnen schaffen eine Verbindung zwischen Jung und Alt, die sich somit "gegenseitig beflügeln können", erklärte Bürgermeister Martin Wegscheider bei dem Pressegespräch. Bei dem Projekt sei er im Landhaus jedenfalls auf "offene Türen" gestoßen: "Wenn das Land voll dahintersteht, können die Gemeinden gut arbeiten."

Die schwarz-rote Tiroler Landesregierung hatte sich bei ihrem Antritt auf die Schaffung eines Rechtsanspruchs auf Vermittlung eines Kinderbildungs- und Kinderbetreuungsplatzes ab dem zweiten Geburtstag geeinigt. Die Plätze sollten "hochwertig, bedarfsgerecht, leistbar, ganzjährig und ganztägig" sein. Die tirolweite Einführung war bis Herbst 2026 geplant.

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