"Blümchensex" und Blumenbilder im Universalmuseum Joanneum

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Kurator Peter Peer mit Blumenstudien in Ausstellung "Analytische Schönheit"

Bild: APA/Annemarie Happe


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Im Garten, auf Wiesen, im Wald - wenn der Frühling erwacht, beginnt auch das ausgeprägte Sexualleben der Pflanzen. Der Mensch erkennt es daran, dass es überall blüht und duftet. Die Ausstellung "Blümchensex" im Naturkundemuseum des Universalmuseum Joanneum wirft ein Licht auf das vielfältige und oftmals auch überraschende Liebesleben der Pflanzen. In der benachbarten Neuen Galerie sind unter dem Titel "Analytische Schönheit" zugleich Blumenbilder aus 200 Jahren zu sehen.

Blüten sind mehr als schöne Blätter: "Sie haben eine wichtige Funktion - die der Fortpflanzung", betonte Kurator Kurt Zernig am Mittwoch beim Rundgang durch die neue Ausstellung des Naturkundemuseums. Und obwohl sich neben Fruchtknoten und Narbe alles um Bestäubung, Staubblätter und Staubbeutel dreht, wird das in der Schau im zweiten Stock ganz und gar nicht "staubig" dargestellt. Vielmehr wird anschaulich, dass Pflanzen alles daran setzen, um ihre Art zu erhalten und dadurch Meister der Verführung mit einem breiten Repertoire an ausgeklügelten Mechanismen und Strategien geworden sind.

Tiere, Wind und Wasser überbrücken die Entfernung zwischen zwei Pflanzen, wenn für Nachwuchs gesorgt werden soll. Form, Farbe und Duft der Blüten locken Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten oder auch Wirbeltiere wie Vögel und Mäuse an. Vieles davon können wir Menschen gar nicht wahrnehmen, denn es gibt Blüten, die sich erst nachts öffnen, Muster, die unser Auge nicht sehen und Düfte, die wir nicht riechen können, wie man in der Ausstellung erfährt.

Gefährdete Symbiose

Neben Bienen, Hummeln und Käfern sind es auch Fliegen und Mücken, die die Pflanzen mit erstaunlicher Effizienz bestäuben: "Im Laufe von Jahrmillionen haben sich die Blüten so entwickelt, dass sie zu ihren Bestäubern passen, und umgekehrt", erklärte Zernig. Soweit so gut, doch das gut aufeinander abgestimmte Zusammenspiel kommt durch den menschlichen Einfluss immer stärker ins Wanken: "In den vergangenen dreißig Jahren sind drei Viertel der Biomasse an Fluginsekten zurückgegangen", betonte Zernig. Die Folgen für die Pflanzen und letztlich auch für den Menschen sind voraussehbar und reichen von Veränderungen in der Pflanzenvielfalt bis hin zu Ernteausfällen.

Begleitend zur Ausstellung bietet das Naturkundemuseum eine Vielzahl an Veranstaltungen rund um die Blütenpracht - vom Spaziergang im Botanischen Garten bis zum botanischen Rundgang am Grazer Schloßberg, Exkursionen am Kirchkogel bei Pernegg oder Wanderungen im Bezirk Liezen und Hartberg.

Ästhetik und Wissenschaft

Blumen und ihre Blüten zählen zugleich zu den ältesten Motiven in der Kunstgeschichte. Ein Vielzahl an bisher noch nicht gezeigten Blumendarstellungen aus der Sammlung der Neuen Galerie ist in der Ausstellung "Analytische Schönheit" zu sehen. Der Bogen in der von Peter Peer kuratierten opulenten Schau spannt sich von Aquarellen aus dem Biedermeier über fernöstliche Farbholzschnitte bis zu zeitgenössischen Positionen.

Die ästhetischen Qualitäten der Blumen und Blüten kommen darin ebenso zum Tragen wie der Wille zur systematischen Dokumentation der Pflanzenwissenschaft. Mit dem Aufschwung der Naturwissenschaften erwiesen sich Zeichnungen als wichtiger Bestandteil der Publikationen und Künstler unentbehrlich für die Naturforschung. "In den Pflanzendarstellungen des 19. Jahrhunderts zeigt sich der Blick der aufstrebenden Naturwissenschaft ebenso deutlich wie der Sinn für Ästhetik", schilderte Peer. Zu sehen sind unter anderem Arbeiten des für seine Gesellschaftsporträts bekannten Biedermeier-Maler Moritz Michael Daffinger, von Josef von Hempel oder auch Joseph Kuwasseg.

Und in der Mineralogischen Sammlung des Naturkundemuseums beschäftigt sich die Ausstellungsintervention "Eisenrose und Chrysanthemen-Stein" in acht Vitrinen mit "Blumennamen" in der Bezeichnung von Mineralien.

( S E R V I C E - https://www.museum-joanneum.at/bloom)

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