Retrospektive Max Pechstein im Lentos in Linz
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von AgenturenBlick in die Max-Pechstein-Ausstellung im Lentos in Linz
Bild: APA/Ulrike Innthaler
In "Max Pechstein Abenteuer Expressionismus" zeigt das Linzer Kunstmuseum Lentos nicht nur rund 150 Werke des deutschen Künstlers, sondern geht auch der Beziehung zwischen Pechstein und seinem Galeristen Wolfgang Gurlitt, der den Grundstein für die Sammlung des Lentos legte, auf den Grund. Über 100 Arbeiten stammen aus dem Max-Pechstein-Museum der Kunstsammlungen Zwickau, sie sind wegen Sanierungsarbeiten im Stammhaus derzeit auf einer internationalen Tour.
Im Lentos gibt es "zu jedem Kapitel die Geschichte Gurlitt-Pechstein als weiteres Layer der Ausstellung", erklärte Lentos-Direktorin Hemma Schmutz bei der Presseführung zu der ersten größeren Pechstein-Personale in Österreich am Mittwoch. Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer (ÖVP) unterstrich die Bedeutung der Kooperation für diese "hochkarätige Ausstellung, die wichtig für die hohe Strahlkraft des Lentos ist". Rund 90 Prozent der Werke stammen aus Zwickau, der Rest aus dem Lentos, ergänzt um wenige private Leihgaben und einen bis dato nie gezeigten Briefwechsel zwischen Pechstein und Gurlitt.
Gelungene Architektur
Annika Weise, Kuratorin der Kunstsammlungen Zwickau - Max-Pechstein-Museum, lobte die "sehr eindrücklich, locker luftig gestaltete Schau, die einen neuen eigenen Akzent setzt". Lentos-Kuratorin Brigitte Reutner-Doneus führte durch die in vier Kapitel und einen Annexraum gegliederte Ausstellung. Die gelungene Architektur von Klemen Breitfuss besteht aus einer Wand, die durch ihre Biegungen mehrere Räume schafft. Jedes Kapitel wird von zwei von der Decke hängenden Bahnen eingeläutet, eine gibt die Biografie des 1881 in Zwickau geborenen Pechstein wieder, die zweite seine Beziehung mit Gurlitt. Neben den beeindruckenden Werken Pechsteins in einer großen Fülle und chronologischen Vielfalt macht dieses Eintauchen in das Geflecht und die Abhängigkeit zwischen Künstler und Galerist die Ausstellung so besonders und sehenswert.
Pechstein, als einziger akademisch gebildeter Maler in der Künstlergruppe "Die Brücke", bekam 1913 einen Exklusivvertrag mit dem Kunsthändler und Galeristen Gurlitt. Dieser finanzierte Pechsteins lang geplante Palau-Reise mit seiner ersten Frau Lotte, die aber durch den Ersten Weltkrieg ein jähes Ende fand. 1923 endete die Zusammenarbeit, Pechstein hatte mehr Geld verlangt, wollte Einblick in die Verkäufe. Pechsteins Werke sind sehr gefragt und werden auch heute noch gut verkauft, eines aus der Brücke Zeit etwa um 2,9 Millionen Euro.
Wiederannäherung an Gurlitt in neu entdeckten Briefen
Erst rund 20 Jahre später näherten sich die beiden wieder an, wie ein noch nie gezeigter Briefwechsel aus den Jahren 1943 und 1944 offenbart. Pechstein brauchte eine Schadensmeldung von seinem früheren Galeristen und Freund für jene Werke, die in Gurlitts Villa verbrannt waren. Bis zu Pechsteins Tod schrieben die beiden einander, begann Pechstein noch mit dem förmlichen "Sie", wollten sie später einander treffen, doch es kam nicht mehr zu einem persönlichen Wiedersehen. Reutner-Doneus holte die Briefe persönlich aus Berlin von Gurlitts Enkelin, in einer Transkription sind sie nachzulesen. Auch Julia Pechstein, die Enkelin des Künstlers, kannte die Schreiben nicht. Sie wird am Donnerstag unter dem Titel "Mein Opa Max" durch die Ausstellung führen.
Das früheste Werk in der Lentos-Schau ist die "Geierwally" aus dem Jahr 1910, die freilich noch keine Spur von Expressionismus zeigt. Der zweite Abschnitt führt auf die von Gurlitt finanzierte Reise nach Palau, durch den Ersten Weltkrieg und in die Jahre danach. Im Annexraum setzt sich die Ausstellung mit dem Kolonialismus auseinander. Der Kunsthändler "hat enorme Geschäfte gemacht mit Pechstein", so Reutner-Doneus. Drucke zeigen Mosaike und Glasfenster, die Pechstein für Gurlitts 1917 neu gestaltete Villa schuf. Die Originale wurden wie die Villa im Zweiten Weltkrieg zerstört.
Naturverbunden und zurückgezogen
Das dritte und zeitlich längste (1919 - 1944) Kapitel "Der Maler und das Meer" bringt Pechsteins Verbundenheit mit der Natur, der Arbeit der Fischer an der Ostsee, wohin er sich so gern zurückzog, zum Ausdruck. Auch im Zweiten Weltkrieg war er kaum in Berlin, sondern fuhr mit den Fischern hinaus auf die See und malte diese Männer in tiefen Porträts.
"Reflexionen und Neuschöpfungen" führt vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zu Pechsteins Tod 1955. Der Künstler hatte alles verloren, Atelier und Wohnung in Wien, seinen Ruf durch Emil Noldes Verleumdung als Jude, was seine Schwester und sein ältester Sohn Frank in Recherchen zwar widerlegten, seine Werke wurden aber als entartete Kunst verspottet und zerstört. Doch Freunde halfen, Pechstein schuf Bilder neu aus der Erinnerung und nach Skizzen, er schrieb seine Memoiren und galt als "der" Expressionismus-Künstler schlechthin. "Blumen aus den Trümmern", ein Gemälde von 1949, ist bezeichnend für diese Zeit.
(S E R V I C E - "Max Pechstein Abenteuer Expressionismus" im Kunstmuseum Lentos in Linz, 23. April bis 30. August, Di - So 10 bis 18 Uhr, Do 10 bis 20 Uhr, Mo geschlossen; Katalog, erschienen im Hirmer Verlag: 39,90 Euro, ISBN 978-3-7774-4569-4; http://www.lentos.at)
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